Donnerstag, 25. Juni 2015

Für Inge (Borgi)






Balkonien, Balkonien, wir träumen von Geranien
die Oma und ihre Enkelin
zwei Türen führen uns dorthin
zwei Sonnenschirme, gelb und blau
wild und grün unten, die Gartenau
dort, wo im Frühling die Krokusse blühn,
treff ich meine Oma, und sie ihr Enkelkind.
:-)

Donnerstag, 18. Juni 2015

Jedwede Tat ist leer




Jedwede Tat ist leer, so leer sind Taten


Besucht hat er mich hier, da flog ein Mond weg.


Eben lag der Tag in wahrhaft tiefem Schlaf.

Ein Chor bedient sich Worten, Ohren lauscht.

Die Raben fahren Teufeln gleich im Meer.

Du wehst und wogst und lebst so traumlandschaftlich

Bestrebt, ein karges, niedres Los zu ziehn.



Ich sah dich nie im Diesseits trüber Gläser

Monde strahlen nah und Fernweh ruft nach mir

Ein Bernstein leuchtet irgendwo für den

der Fönwind hört, um schließlich gleich der Seele

den Fuß vor Fuß zu heben ohne Reue

belohnt durch Ehre, Siege, Königsthron.



Jedwede Tat ist leer, so leer sind Taten

Bebenden Gedankenraums entsprangst auch du

und fielst du tief, in tiefstes, schwarzes Leer

da siehst du sie und ihn erhangen, leblos, starr

erlegen dem bedeutungslosen Sehnen

obschon durch Schmerzen Tote auferstehn.










Die Birke liebt als Nachbarin der Fichte

die Wärme dieses Nadelbaumgewächses

sie stach sie zwar und nicht umsonst umschreibt

ein Gott den dunkelgrünen, spitzen Baum

mit jenen Attributen bös und finster

sie steht in dichtem Hain im Fichtenwald.



Samstag, 13. Juni 2015

Braucht die Seele einen Raum für Zeit für sich? Sie findet ihn ...



DER SUMPF
        von nadja schuhmacher








Braucht die Seele einen Raum für Zeit für sich?
Sie findet ihn im jähen Schreck der Finsternis.

Versunken in dem lauten Still von Sümpfen
die Dämmerung setzt ein und fernher rauscht das Meer
der Strand so nah, hier surren die Insekten
der Spaten lehnt an einer Grube Wand.

Mein Schweiß beginnt auch ohne euch zu jucken
ertrinkt im Moor, ihr Mücken, ihr Moskitos!
Was gäb ich für ein bisschen Wind und Frische
wie sehne ich den nächsten Tag herbei.


Wär nur die Nacht schon um, die Nacht von Schreck und Dunkel,
fänd nur die Seele aus dem Raum für Zeit hinaus
würd nur der Mond nicht derart höhnisch leuchten
ich wär für alle Zeit von allem Wunsch gefeit.

Bekäm ich nur die Schaufel satter in die Feuchte,
hätt nur die Sonne diesem Tag nie Licht geschenkt!
Könnt nur die Zeit das Leid in weite Zukunft rücken
und ich verhindern, was ich tat, mit diesem Wissen
wär das Geschehen dieses Morgens nie geschehen,
wenn nur ein Gott mein Flehen hört und Gnade hat.

Meine Gedanken kehrn im Rhythmus meiner Stiche
zurück zu Stichen, schwarzen Stichen dunkler Art
die All-Uhr eilt, jener Moment ist längst verstrichen
jener Moment, als ich dich um den Urlaub bat.


War das der Punkt, den ich nicht überschreiten durfte?
War dieser Wunsch des Schicksals falscher Pfad?
Im Flugzeug noch, auf unbequemen Sitzen
hat mich dein bittres Auge zornig angeklagt.

Das Bild am Strand, frühmorgens rotes Glühen
das Licht im Meer wie Blut, wie Blut mein Herz
nackt lagt ihr da, das Bellen fremder Hunde
mein Kommen habt ihr trotzdem nicht bemerkt.

Braucht die Seele einen Raum für Zeit für sich?
Sie findet ihn im jähen Schreck der Finsternis.

Versunken in dem lauten Still von Sümpfen
versunken ist das Lebenslicht in mir
und irgendwo hupt jemand an der Ampel
er ärgert sich
du ärgerst dich nie mehr.






 












Mittwoch, 10. Juni 2015

Anleitung zum guten Leben

Anleitung zum guten Leben von Nadja Schuhmacher

Gib Unordnung einen Sinn.
Umarme deine Begegnungen, lass dich auf Menschen ein.
Vertraue auf die Weisheit deiner Großmutter.
Genieße das Tragen einer Sonnenbrille.
Sprich mit den Tieren, die deinen Weg kreuzen, frage sie um Rat.

Zelebriere das Ernstsein, lache lang.
Vergiss Kränkungen sogleich, sage "Danke" zu Komplimenten und glaube sie.
Pflücke Blumen und erinnere dich an deine Kindheit.
Tauche ein in die Liebe, sobald du sie empfindest, und projiziere sie dann auch auf dich selbst, kaue beim Essen!

Flechte Pflanzenstengel zu Insekten aus Gras und bring es anderen bei.
Feiere deine Schwächen, entspann dich.
Lass deine Leidenschaften, die dich begeistern, berühren und anziehen, in deine Kunst einfließen, stöhne beim Sport.

Sieh schwierige Situationen als ehrenvolle Aufgaben, die eigens für dich kreiert worden sind.
Fülle die Leere oder genieße sie.
Lass dich verzaubern und glaube daran, dass du verzaubert bist.
Stelle dir vor, du wärst zum ersten Mal auf dieser Welt.

Verkleide dich oft, sei frei und unsicher.
Gehe nachts baden, wenn du nicht schlafen kannst.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.
Lies die Anleitung zum guten Leben von Joseph Beuys.