Donnerstag, 9. Juli 2015

Für Schlaf(losigkeit) und Frieden



Hören wir endlich auf, gegen Einzelpersonen zu feindeln. Kein Mensch darf beschuldigt werden, verbal angegriffen werden oder sonstwie in seinem schlichten Dasein verunsichert werden. Keine Berufsgruppe darf beschimpft, keine Interessengemeinschaft belächelt werden... kein Mensch darf verantwortlich gemacht werden für den Zustand der Welt.
(bitte)...
Nicht die Mutter mit dem Kaffee-Latte in der Hand, nicht die Vegetarierin mit Ledersandalen, nicht der Polizist in Uniform, nicht der Mensch im O2-Laden, nicht die Schüler am I-Phone, nicht der Facebooknutzer, nicht der Kindergärtner, nicht die Bäckerin, nicht der Bauarbeiter, nicht die Punkerin, nicht die Ehefrau am Bügelbrett, nicht der Fernsehende, nicht der Journalist im Auto, nicht die Nackte am Fenster, nicht der Hippie unterm Baum, nicht der Alkoholiker aus der Nachbarschaft, nicht das Kind in der Supermarktschlange weiter vorne, nicht der Künstler am Schreibtisch, nicht der Büroarbeiter mit dem Stempel, nicht der Politiker, der eine Unterschrift setzt. Nicht der Sachse, nicht der Bayer, nicht der Manager, nicht der Fleischesser, nicht der Clubgänger, nicht der Japaner, nicht der Afghane (...), nicht der Alte, nicht der Deutsche, nicht der Tourist, nicht die Andersdenkende, nicht die Andersaussehende, nicht der Althippie, nicht der Neonazi, nicht die Lesbe, nicht die Ärztin, nicht der Feminist, nicht die Arbeitslose, nicht die im Strickkleid, nicht der in Leggins, nicht die im Minirock, nicht die Grüne, nicht die Unpolitische, nicht der FDP-Wähler, nicht der Moderator auf Pro7. Hören wir auf, menschenverachtend zu denken/sprechen. Oder versuchen wir wenigstens, unser persönliches Feindbild auf einer anderen Ebene schätzen zu lernen. Nehmen wir Rücksicht auf der Straße, in öffentlichen Einrichtungen und im Internet. Wir sind alle Gefangene desselben Systems. Keiner von uns trägt Schuld am Zustand der Welt, wie sie jetzt ist. Keiner von uns ist 10000 Jahre alt. Und keiner von uns hat den Schlüssel für das Schloss der Tür nach draußen.
Ansonsten: Weiter so! Kämpft an eurer persönlichen Front! Aber nicht gegen Menschen.
Ich möchte nicht die Frau im Pelzmantel bemängeln, sondern einen Zustand.
Ich will nicht von Fremden verbal angegangen werden, weil ich Ledersandalen trage.
Ich will auch niemanden mehr kränken, weil er die Klospülung zweimal betätigt, versprochen.
Ich will keinen Polizisten anpöbeln, weil er eine Uniform anhat.
Ich will niemandem falsches Verhalten vorwerfen, falschen Konsum, ...
Es ist die Industrie, die die Umwelt zerstört, nicht der einzelne Mensch.
Hören wir auf, von Liebe zu sprechen, die wir doch nur bestimmten Auserwählten in bestimmten Momenten gegenüber empfinden. Fangen wir an, von Frieden zu sprechen.
Und wenn wir nur in Gut und Böse denken können – dann möchte ich nicht gut sein – ich möchte gut sein zu dir. Zu meinem Gegenüber.